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Am Dienstag kam ich zurück aus der Hauptstadt Argentiniens, Buenos Aires. Man ist diese Stadt groß! Aber immer der Reihe nach… Am Freitag sind wir nach der Arbeit mit der Fähre namens Buquebus über den Rio nach Bs As geschippert. Vorher musste man wie beim Flug noch das Gepäck einchecken, alles schön verzollen und holte sich ein paar Stempel für die Ein- und Ausreise des jeweiligen Landes ab. Die Fahrt dauerte dann etwa 3 h und die Wellen hat man ordentlich gespürt. Selbst auf einer Fähre, beladen mit mehr als 400 Mann, die so konzipiert ist, dass sie in die Breite geht, um damit den Wellen zu trotzen, spürt man einiges. Aber es war eher lustig und man hat sich schnell daran gewöhnt. Gegen 22:30 kamen wir dann an und wurden in Empfang genommen. Zum Glück bin ich für das Wochenende kostenlos bei meiner Freundin Jenny untergekommen und so sparte ich mir die Unterkunftskosten :-) . Sie wohnt allerdings nicht direkt in der Stadt, sondern im etwas reicheren Norden, in einem Viertel namens Martínez (San Isidro), bei einer deutschenstämmigen Familie. Die Fahrt mit dem Taxi hat von der Innenstadt dann nochmal mindestens 30 min gedauert und dann waren wir da. Zur Entspannung gabs anschließend einen kleinen Snack in ner Bar, ein bissel geschwatzt, wir haben uns ja schliesslich seit 6 Monaten nich gesehen, und dann ab ins Bett.

Am nächsten Morgen kam die Herrin des Hauses und bot uns Frühstück und mir einen Mate-Tee an. Da das hier (Argentinien und Uruguay) das Getränk schlechthin ist, musste ich das natürlich probieren. War sehr lecker und ich kann es eigentlich nur empfehlen, obwohl es sicher nicht jedermanns Geschmack ist! Nebenbei noch gefrühstückt und dann gings los. War ja schliesslich schon 12:30! Die Studenten wieder… ;-) Also haben wir uns in einen Colectivo (so heissen hier die Busse) Richtung Boca gesetzt und gewartet….
…. denn die Fahrt hat 1:45 h gedauert! Ok, das lag auch daran, dass wir schön durch die Innenstadt gejuckelt sind und wirklich überall angehalten haben, aber es war auch ein ganz schöner Weg. Der Verkehr hat dann sein übriges dazu getan und so waren wir gegen 14:30 endlich am Ziel. Das Wetter war sowieso die ganze Zeit scheiße, es hat geregnet wie aus Eimern und wir sassen wenigstens im Trockenen. Also raus aus dem Bus und schnell unter den Regenschirm. Da waren wir. In einem ärmlichen Viertel namens Boca, Heimat der italienischen Einwanderer und Hafenarbeiter und wie man merkte, ziemlich gefährlich abseits der touristisch erschlossenen Gegend! Wir zwei „rubios“ (blonden) wurden natürlich sofort für „gringos“ gehalten und wurden dementsprechend auch gemustert! Dummerweise hatte ich auch noch meine Kamera im Anschlag und (m)einen Riesen-Rucksack aufgeschnallt. Aber es ist nix passiert! Haben halt nur geguckt, es war wohl noch zu früh am Tag ;-) . Das Viertel selbst war dann sehr touristisch, da wurde wirklich alles feilgeboten und in jeder Ecke stand einer, der die nächste (Tango-) Bar angepriesen hat. Aber alles in allem sah es schon schön aus mit den bunten Häusern, die einstmals angemalt wurden, weil die Bewohner ihr Leben so trostlos fanden und deswegen ein bisschen Farbe reinbringen wollten. Danach sind wir dann zur „Bombonera“, jenem Stadion, wo 1 Woche vorher der Superclasico zwischen den Boca Juniors und River Plate stattgefunden hatte. Jenes Ereignis wurde von der britischen Zeitung „The Observer“ 2004 zum wichtigesten Event ausgerufen, das man mitmachen muss, bevor man stirbt („50 sporting things you must do before you die“). Die Stadiontour inkl. Museumsbesuch war natürlich Pflicht und hat sich wirklich gelohnt. Allein die ganze Präsentation des Stadions und des Klubs und die Vorstellung, dass das nationale Heiligtum und der womöglich beste Fußballer aller Zeiten Diego A. Maradona, auf dem Platz große Erfolge gefeiert hat und die fanatischen argentinischen „hinchas“ bei einem Tor ausrasteten und das Stadion dabei in den buntesten Farben funkelt, jagte mir schon Gänsehaut ein. Auch sonst war alles sehr interessant und aufregend, allerdings waren die Trikots leider etwas zu teuer für meinen Geschmack oder ich habe in ihnen scheiße ausgesehen… Auf dem Rückweg haben wir leider nicht mehr allzuviel sehen können und waren auch kaputt. Am Sonntag morgen ist mir dann aufgefallen, dass mein Ticket für die Rückfahrt leider nicht auf Montag abends datiert war, sondern für den Sonntag um die gleiche Zeit. Que merde! Also gleich nach dem Frühstück in die Stadt und mit der Gesellschaft diskutiert. Naja, das Ergebnis war leider nicht sooo erfolgreich, ich wurde trotz oder gerade wegen meiner vehementen Vorbringung der Tatsachen mehr oder weniger schroff zurückgewiesen und mir wurden 2 Möglichkeiten in Aussicht gestellt. Entweder ich würde eben noch an diesem Sonntag fahren oder eben Dienstag mittags. Nur musste ich dummerweise am Dienstag schon wieder auf der Arbeit sein, das hat sie dann aber nicht so recht interessiert… Da ich für die ganze Fahrt über 70 € ausgegeben hatte, wollte ich natürlich nicht schon einen Tag früher abreisen und musste wohl oder übel die Fahrkarte auf Dienstag umschreiben lassen. Letztlich sind wir dann doch noch zum Sightseeing gekommen, obwohl der ganze Tag wieder verregnet war, und haben uns das Viertel La Recoleta angeschaut. Das ist so eine Art Künstlerviertel mit kleinen Ständen und allerlei Kram. War wirklich nett. Dort befindet sich auch der Friedhof für die Größen Argentiniens, wo einige Generäle und ihre Familie ihre Grüfte haben. Auch eine gewisse Eva Perón besser bekannt unter dem Namen Evita liegt hier in ihrer Familiengruft gebettet. Da ich am nächsten Tag auf mich allein gestellt war (Jenny musste arbeiten), hatte ich mir eine „Ochsentour“ vorgenommen, d.h. ich wollte die ganze Innenstadt zu Fuß sehen. Zu Fuß deshalb, weil der Nahverkehr gelinde gesagt nicht ganz so gut ist! Man hat zwar einen Haufen Busse zur Verfügung, nur leider durchschaut man deren System nicht wirklich und zweitens gibt es nur 5 U-Bahn-Linien, die jeweils alle aus der Stadt heraus führen, anstatt untereinander verbunden zu sein. Kein Wunder, dass die Stadt in Autoabgasen erstickt! Der Nahverkehr läuft fast nur über sehr dreckige Busse und U-Bahn-Linien, die entweder überfüllt oder schlecht verbunden und damit umständlich sind… Das hat wirklich kein Weltstadt-Niveau! Naja, für einen Tag wars schon ok ;-)

Also gings los! Erstmal durch das Geschäftsviertel mit mit hohen Türmen und geschäftgen Menschen mittendrin, dann auf die große und hektische Einkaufsstraße Florida mit ihren Nebenstraßen. Von dort dann weiter auf den „Hauptplatz“ der Stadt, den Plaza de Mayo – Maiplatz – wo z.B. die Casa Rosada, also der Präsidentenpalast steht. Nun gings weiter nach San Telmo, das durch seine etwas ältlichen Charme besticht, mit Markthallen, Kunstgalerien etc. Hier habe ich auch die Gelegenheiten wargenommen mich in den Kirchen auf dem Weg nieder zulassen und ein bisschen in mich zu kehren. Das war sehr wohltuend und ich habe es wirklich genossen. Auch San Telmo war sehr sehenswert und von dort verschlug es mich zur breitesten Straße der Welt, der Avenida 9 de Julio, mit ihrem berühmten Obelisken, dem Wahrzeichen der Stadt. Auf dieser Avenida, die zum Teil 20spurig ist, braust der Verkehr und ab 14:00 gibt es für Stunden einen ordentlichen Stau! Das nennt man mal Rushhour… Der Verkehr kollabierte wirklich ordentlich in und um die Stadt und die Umwelt hat sich wirklich gefreut. Bei den Fahrzeugen hier in Südamerika dürften alle Klimaforscher jauchzen, denn die Menschen haben offensichtlich noch nichts von der Erderwärmung mitbekommen. Entweder die Autos sind supergroß oder steinalt… Danach folgte noch der Kongress und auf der anderen Seite der Innenstadt der Puerto Madero mit seinen neuen Geschäftshochhäusern direkt am Wasser bis ich dann die Füße in einem netten Café hochgelegt habe und mir einen Tee gönnte… Nach meinem Gewaltmarsch durch das Moloch war ich auch noch am Dienstag gut geschafft und so setzte ich mich nur noch in die Fähre nach Colonia, von wo es dann mit dem Bus weiter nach Montevideo ging. Am nächsten Tag in der Arbeit gab es wegen meinem Fehlen zum Glück keinen Ärger und meine Chefin hat mein Problem verstanden. Fazit: Ein anstregendes Wochenende in einer zum Teil anstrengenden Stadt! Ohne Zweifel…

Diesen Freitag gehts das erste Mal raus aus dem Land und mit der Fähre über den Rio de la Plata in die Millionenstadt (und das Moloch?) Buenos Aires. Wie es der Zufall so will, ist eine Freundin auch gerade zum Praktikum in Südamerika und dann auch noch fast um die Ecke. Da Argentinien im Allgemeinen und deren Hauptstadt im Besonderen soweiso auf meinem Plan stand, werde ich natürlich diese Gelegenheit gerne wahrnehmen und sie besuchen gehen :-) . Auf dem Plan steht natürlich das übliche Sightseeing-Programm wie der Obelisk, San Telmo, Boca u.a. und evtl. noch ein Heimspiel von River Plate. Leider spielen die Boca Juniors dieses We nicht zuhause und ausserdem ist es im Moment eh schwer Tickets bei ihnen zu ergattern, da die „Bombonera“ – ihr Stadion – stark verkleinert wird und bald wohl nur noch die Socios reinpassen. Dann eben nicht! Glücklicherweise muss ich erst wieder am Montag abend zurück sein, denn Uruguay hat einen Feiertag, aber am Dienstag wartet natürlich wieder die Arbeit.

Die kleine Stadt Colonia (gegenüber Buenos Aires am Rio de la Plata gelegen) ist in ca. 2:45 h von Montevideo mit dem Bus zu erreichen und wir haben uns letzten Samstag auf den Weg gemacht, um uns dieses Kleinod mal näher anzuschauen. Also rein in den Bus und dann los. Da die Fahrten hier nicht so viel kosten, haben wir für die Strecke hin und zurück nur knapp 10 € bezahlt. Gegen Mittag angekommen, wollten wir uns aufmachen die Stadt anzusehen, allerdings musste natürlich noch schnell der Magen gefüllt werden. Dafür sind wir in ein schönes nettes „Restaurant/Bar“ – wie auch immer – gegangen und es war definitiv eine richtige Entscheidung! Denn kurz darauf erging ein Regenschauer über uns, der uns darussen so sicher nicht gefallen hätte. Also überbrückten wir die Zeit sehr gut mit leckerem Essen und hatten einen Heidenspass. Nachdem der Regen dann nach 2 h mal nachgelassen hatte, machte wir uns auf und erkundeten dieses UNESCO-Weltkulturerbe. Vor fast 330 Jahren (damit älter als Montevideo) gegründet, prägen portugiesische, spanische und koloniale Einflüsse die Altstadt. Sie fungierte lange Zeit als eine Art portugiesischer Aussenposten auf spanischem Hoheitsgebiet. Heute gehört sie natürlich zu Uruguay und ist sicher ein historischer Höhepunkt des Landes. Interessant sind vor allem der Leuchtturm, die Kirche und der Hafen, allerdings sind es kleine Details, die die Stadt zu etwas besonderem machen. So sind die Häuser alle noch authentisch und versprühen einen leicht verfallenen Charme. Die engen Gassen und z.T. noch originale Pflastersteine, die sicherlich nicht für hochhackige Schuhe gemacht sind, tun ihr übriges dazu. Vor allem im Sommer kann man hier „fast“ karibisches Flair einatmen und fühlt sich mit ein bisschen Vorstellungskraft ;-) wie Cpt. Jack Sparrow… Negativ waren in jedem Falle die Mücken. Manmanman, da wurde aber auch rumgestochen, das war nicht mehr feierlich. Nach 2 stündiger Durchquerung der Altstadt (mehr gab es nicht zu sehen) war es das dann aber auch mit den Sehenswürdigkeiten und wir konnten die Heimreise antreten. War auch besser so, denn der zweite (diesmal noch längere) Regenschauer kam kurz darauf. Er dauerte die ganze Fahrt bis nach Montevideo an und wurde von einem Weltuntergangsszenario nebst Blitzen u.ä. begleitet. Fazit des Trips: Ein schönes verschlafenes Örtchen, allerdings ein bisschen klein und mit ein bisschen Glück mit dem Wetter wäre es sicher noch schöner anzuschauen gewesen…

Fussball ist in Südamerika der Sport Nummer eins, klaro. Nicht anders verhält es sich mit Uruguay. Fussball und die Urus, da war doch mal was. Stimmt. Sogar 2 ganze Weltmeister-Titel (damit besser als das sogenannte „Home of Football“ England, Frankreich oder auch die Spanier) und auf einer Höhe mit Argentinien. Dumm nur, dass der letzte Titel schon 57 Jahre zurück liegt. Damals, 1950 wars, im Maracana-Stadion zu Rio de Janeiro mit handgezählten 200.000 Zuschauern. Ganz Brasilien ist nach dem 1:0 seiner Mannschaft schon siegessicher und wartet nur noch auf die Siegesfeier, da macht der winzig kleine Nachbar und Underdog aus dem Süden die Überraschung perfekt und siegt noch mit 2:1. Trauer und Entsetzen in Brasilien….. aber was für ein Triumph in Montevideo und Umgebung! 20 Jahre vorher gabs schonmal Grund zur Freude: im 1. WM-Endspiel der Geschichte im Estadio Centenario zu Montevideo sahen 93.000 Zuschauer (damals das grösste Stadion der Welt) ein aufregendes Spiel. Durch einen 4:2 Sieg gegen den grossen Nachbar Argentinien wurden die Urus zum ersten Weltmeister der Geschichte und stiegen gleichzeitig zur Fussballgrossmacht auf. Der Tag wurde daraufhin kurzerhand zum Nationalfeiertag erklärt.
War wohl auch bitter nötig, denn danach gabs nicht mehr so viel zu feiern. Noch 2 Mal schaffte man jeweils einen 4.Platz bei Weltmeisterschaften und heute fristet die einstige Fussball-Grossmacht nur noch ein Schattendasein neben ihren 2 grossen Nachbarn.

Das hindert die Menschen aber nicht daran weiterhin ekstatisch dem Fussball zu fröhnen…

z.B. bei den beiden grossen Vereinen des Landes: Club Nacional und Peñarol. Eigentlich kann man sagen, dass die Stadt Montevideo, und damit das Land, zweigeteilt ist. Entweder man ist „hincha“ – also Fan – von Nacional oder Peñarol. Von den Erfolgen nehmen sie sich nicht besonders viel. Sie dominieren ihre Liga seit ihren Gründungen und waren sogar vor einiger Zeit mal Copa Libertadores- und später Weltpokalsieger. Diese erfolgreiche Zeit ist allerdings schon etwas vorbei. Ausserdem wurde Peñarol von Engländern gegründet und deswegen heissen sie noch heute „Die Engländer“. Für die Anhänger spielt dabei noch eine sehr grosse Rolle, welcher Klub der ältere ist. Dabei reklamieren die hinchas von Nacional für sich die Rolle des „decano“ – des Älteren – aber das ist sicher Auslegungssache.
Na gut, soviel zur Vorgeschichte.
Denn letzten Donnerstag war ich beim Spiel der Copa Libertadores – also die Champions League Südamrikas – zwischen Nacional und Velez Sarsfield, einem Klub aus Buenos Aires. Kann man durchaus als Derby bezeichnen, mussten doch die Fans von Velez lediglich mit der Fähre über den Rio de la Plata fahren, um ihre Mannschaft zu sehen. Es ging um nicht weniger als die Tabellenführung in der Gruppe und damit um die Wahrung der Chancen zum Weiterkommen. Nacional als Zweiter würde bei einem Sieg gegen den Tabellenführer Velez dessen Position übernehmen und damit beste Chancen auf die nächste Runde zu haben. Leider fand das Spiel nicht im ehrwürdigen Estadio Centenario mit seinen 65.000 Plätzen statt, sondern im vereinseigenen „Parque Central“, einem Stadion, das man wunderbar mit der Alten Försterei oder dem Millerntor auf St. Pauli vergleichen kann. Gleiche Kapazität an Plätzen, eng und ziemlich heruntergekommen. Ich musste mich also nicht gross umstellen ;-)
Wir waren schon 90 min. vorher da, weil es wegen fehlender Nummerierung der Plätze keine Garantie auf die gewünschten Plätze gab. Naja, also mal fein gewartet und sich die ganze Zeit mit der Werbung berieseln lassen. Dumm nur, dass die Kassete oder CD oder sonstwas im Wechsel von 5 min. das gleiche Zeugs immer und immer wieder gebracht hat… Die Plätze füllten sich so langsam und dann 10 min. vor Anpfiff gings los. Zuerst kamen die Ultras mit grossen Tamtam mit 30 wehenden Fahnen in den schon vollen Block und animierten das umstehende Pulk zum lauten Singen und Hüpfen. Als die gegnerischen Spieler kurz darauf einliefen, wurden sie so lautstark niedergepfiffen, wie ich es selten erlebt habe. Das waren Emotionen, eben ganz wie es sich gehört gegen den grossen Nachbarn Argentinien. Ganz anders natürlich bei den eigenen Spielern. Papierschnipsel flogen rum, Bengalos wurden gezündet, es wurde laut gesungen und die Papierrollen wurden Richtung Tor geworfen. Ganz so, wie man es immer im Fernsehen gesehen hatte. Das erzeugte schon Gänsehaut-Feeling… Südamerika pur!
Das Spiel war jetzt nicht so der Brüller, eher zum Wegsehen, es wurde sehr physisch gespielt, argentinisch halt. Vom Niveau war es eher 2.Bundeslig, aber deswegen war ich ja auch nicht da. Es war ja eher die Stimmung, und die hielt den Erwartungen stand. Einen Vorsinger bei den Ultras gabs nicht und trotzdem sang und hüpfte der ganze Block die gesamte Spielzeit hindurch. Ok, ihre Mannschaft gewann ja auch mit 2:0, aber das muss man erstmal machen. Zwischendurch gabs dann Rauchbomben und die Fans hinterm Tor rasteten bei den Toren dermassen aus, dass sie durch den ganzen Block in Richtung Zäune liefen, um ihre Lieblinge zu feiern. Sah geil aus, wie eine Welle! Dazu immernoch ein paar lustige Gesänge u.a. „y quien no salta es Peñarol!“ – und wer nicht hüpft, ist von Peñarol – und so coole Diffamierungen wie „la concha de tu madre“ oder „hijo de puta“ – die will ich jetzt aber nicht übersetzen – ;-) . Nun kommt es am heutigen Donnerstag gegen die aktuell weltbeste Mannschaft (Weltpokalsieg gegen Barca im Dezember letzten Jahres) von Internacional Porto Alegre (BRA) zum entscheideden Spiel. Dabei hat Nacional als Erster die komfortable Position und kann gleich mal den Titelverteidiger, der aktuell nur 3. der Gruppe ist, rauskicken. Vamos, tricolores!!!

schwieriges Thema, ich weiß! Aber ich muss sagen: so schlecht ist das uruguayische Bier gar nicht. Im Gegenteil! Es ist sogar ziemlich lecker. Wir brauchen natürlich nicht zu erwähnen wer diese Braukunst mal importiert hat, aber immerhin hat es sich auch noch nach über 100 Jahren konserviert. Ob’s nun die Marke Patricia, Pilsen oder Zillertal ist, alle sind wirklich schön süffig und auch nicht eklig im Abgang. Das passt schon. Nur eine Sache, die geht nun gar nicht! Wie kann man sowas in 1l – Botellas verticken? Was für ein seltsames Maß! Naja, stört aber nur minimal. Wichtig ist ja auf’m Platz äh der Inhalt.

Schock beim ersten Einkauf im Supermarkt um die Ecke. Was für ein Laden! So winzig und noch dazu stapeln sie alles mögliche in dieses Ding! Unglaublich! Ich also da rein… Logo, muss ja irgendwie, man will ja nich verhungern. ABER: Was sind das für Bezeichnungen? Frutilla? Durazno? Kenn ich net! Sieht zwar alles ganz nett aus, aber wie soll ich mich hier für die nächsten Monate ernähren? Und noch dazu 3…

1 Woche später:
Ich habe es geschafft! Man kann Sachen einkaufen, muss sich halt in seiner Ernährung etwas umstellen, aber das war nicht so schwer. Frutilla hat sich dann übrigens als das spanische Fresa (Erdbeere) herausgestellt und Durazno war halt Melocoton (Pfirsisch). Naja, dann nennen die hier in Südamerika ihre Lebensmittel eben ein bisschen anders. Wenns denn sein muss. Hauptsache is „rico“ – also lecker. Muss ja nicht immer alles deutsch sein. Obwohl, sie haben auch deutsche Produkte, z.B. Milka oder ein paar Biersorten. Das Obst ist sogar richtig günstig, dafür ist das Brot mal wieder nicht soooo überragend :-( . Wie vermisse ich mein geliebtes deutsches (Schwarz-)Brot – Nur noch 3 Monate und ich habe dich wieder – lechz!
Letztendlich ich das hier mein neuer Favoriten-Supermarkt geworden, auch wenn ich jedes Mal fast einen von den Erbstdosen-Türmen umschmeisse und auch sonst an der Fleisch- oder Käsetheke schief angeschaut werde wegen meines entweder zu ausländischen oder falschen Spanisch. Ich hoffe mal auf ersteres….Es ist eben alles noch ein bisschen geruhsamer und die Uhren ticken hier einfach noch nicht so schnell. Wie erholsam das sein kann!

damit noch mal an alle: auch in der Südhälfte der Halbkugel ist alles in Ordnung! Das heisst: die Menschen sind freundlich (man versteht sie sogar, trotz einiger seltsamer Laute beim Reden), die Blumen blühen auch hier, Tiere sind vorhanden und zu allem Überfluss – die Autos pesten mal so richtig rum. Na gut, nicht alle Autos sind so schlimm, aber der Grossteil! Aber nichts gegen diese Busse, wie Original-Ikarus-Busse. Die verpesten nämlich die Innenstadt, sodass man nach der Heimkehr nochmal duschen möchte. Dazu sind sie noch reichlich umbequem. Aber es geht, man kann sich ja mit so einigem arrangieren. Die Stadt Montevideo hat seinen eigenen Charme, sie hat einige Slums an den Aussenbezirken ist aber ansonsten wirklich reizvoll, es sei denn man sucht hier jeden Tag die Abwechslung. Alles ist eben ein bisschen ruhiger – „tranquilo“ eben – und läuft auch gemächlicher ab. Ich wohne in dem Stadtteil Palermo, ca. 150 m von der Strandpromenade „Rambla“ entfernt, die sich von der Altstadt bis hinaus zum Viertel für die reichere Schicht, namens Carrasco, hinzieht. Gleich um die Ecke habe ich auch meinen „eigenen“ Strand Playa Ramírez, allerdings ist der nicht sooo schrecklich reizvoll. Da würde ich schon eher den Strand im besser situierten Viertel Pocitos vorziehen. Dieser heisst nicht umsonst „Copacabana Montevideos“, denn er ist auch von höheren Wohnhäusern umringt und hier promeniert man auch um „sehen und gesehen zu werden“. Alles wirklich nett. Definitiv mein Lieblingsplatz hier in der Stadt, vor allem bei Sonnenuntergang, wenn alles in einem sehr gedämpften und sehenswerten Licht erstrahlt. Ansonsten hat die Stadt noch einen relativ bedeutenden Hafen, allerdings sind die Viertel drumherum dementsprechend nicht die besten. Dort ist Montevideo mal ausnahmsweise nicht sicher, d.h. es kommt schon mal vor, dass man irgendwas nach einem Bummel „vermisst“. Fazit:  Trotzdem kan ich in jedem Falle sagen – „Ich habe mich gut eingelebt“!